Samstag, 19. April 2014

Vom Maßnehmen zum Kostüm


Die Teile des Musters werden mit Stecknadeln auf den Stoff aufgesteckt, und zwar so, dass die Stoffbahn bestmöglich ausgenutzt ist. Hier für die Rückenpartie mit vierTeilen. Fotos (3): Dr. Brunhilde Bross-Burkhardt



Ein Jeanskostüm entsteht

Die Maßschneiderin nimmt am Körper der Kundin Maß. Sie misst Brustweite, Taillenweite und Hüftweite, Rückenlänge und -breite, ebenso Armlänge (viele Frauen haben unterschiedlich lange Arme), Rocklänge oder Länge der Jacke oder des Mantels. Durch den individuellen Zuschnitt lassen sich Unregelmäßigkeiten im Körperbau gut ausgleichen.

Vor dem Beginn der Arbeit muss der Gesamtentwurf festgelegt sein und ebenso die Details: Länge, Weite, Teilungsnähte, Abnäher, Faltenlegung, Ausschnitt, Kragenform, abgerundete Ecken, Knopfleisten, Taschen, Taschenklappen, Rockschlitz (vorne oder hinten).

Nach den Maßen und dem ausgesuchten Modell wird die benötigte Stoffmenge bestellt. Passend zum Stoff müssen die Zutaten ausgewählt werden, also Faden, Reißverschluss, Knöpfe, Einlagen wie Vlieseline, Futterstoff ... Diese Materialien müssen zum Beginn der Schneiderarbeit bereit liegen.

Dann fertigt die Schneiderin auf großen Zeitungspapierbögen das Muster an. Bei manchen Kundinnen liegt den Körpermaßen entsprechend das Muster bereits vor. Muster von Schnitten, die sich bewährt haben, werden immer wieder verwendet. Zum Beispiel für Röcke, Blusen oder Jäckchen. Im Atelier der Schneiderin gibt es also ein Schnittmusterlager, individuell für jede Kundin.

Die Musterteile werden auf den Stoff aufgesteckt. Dabei muss darauf geachtet werden, dass der Stoff gut ausgenützt wird, so dass kein Verschnitt entsteht. (Größere Reste werden aufbewahrt. Es hat sich gezeigt, dass Reststücke bei späteren Änderungen gebraucht werden.)

Der eigentliche Zuschnitt erfordert manchmal etwas Überwindung. Der erste Schnitt in ein teures Stück Stoff muss sitzen. Dabei kommt es auch ein wenig auf den Stoff an – auf die Farbe, die Griffigkeit, wie gut er liegt, ob er rutscht. Auch das Wetter spielt beim Zuschneiden eine Rolle: Bei trübem Wetter lassen sich dunkle Stoffe schlecht schneiden. 

Nach dem Zuschnitt wird in manche Teile, die Stand haben sollen, beispielsweise in Kostümjacken, Vlieseline eingebügelt. Dann kommt das Heften der Teile mit Heftfaden, das Einnähen des Reißverschlusses ... bis das Kleidungsstück fertig für die Anprobe ist.

Der Rock fertig zur Anprobe. Die exakte Rocklänge wird bei der Anprobe abgesteckt.

Zur Anprobe werden einige Teile des Kleidungsstücks geheftet.